Österreichs Skigebiete sind bei internationalen Gästen sehr beliebt. Welche Rolle die heimischen Flughäfen für den Wintertourismus spielen, wie es dem größten Airport Österreichs aktuell geht und worin die Wachstumspotenziale liegen, erläutert Julian Jäger, Vorstand der Flughafen Wien AG und Präsident der Arbeitsgemeinschaft der österreichischen Verkehrsflughäfen (AÖV), im Interview mit dem Ski Guide Austria.

SKI GUIDE: Herr Jäger, wie entwickelt sich die Luftfahrt in Österreich aktuell?
JULIAN JÄGER: Die internationale Luftfahrt wächst, doch Österreich kann von dieser Entwicklung derzeit nicht profitieren. In den ersten neun Monaten 2026 verzeichneten die österreichischen Flughäfen einen Passagierrückgang von 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr – das entspricht etwa einer Million weniger Fluggäste. Dabei ist die Luftfahrt ein wesentlicher Motor für Wirtschaft, Beschäftigung und Tourismus. Wir brauchen daher dringend wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen, um den Luftfahrtstandort Österreich langfristig zu stärken. Wichtig ist daher die Abschaffung oder zumindest Reduktion der nationalen Flugabgabe. Damit wird es für Airlines wirtschaftlicher, Flugverbindungen nach Österreich zu betreiben – und das bringt Gäste in die Tourismusregionen.

Wie stellt sich die Situation am Flughafen Wien dar?
Für 2026 erwarten wir 30,5 Millionen Passagiere in Wien, wir sind damit der größte Airport Österreichs. Aber auch wir spüren den zunehmenden
Wettbewerbsdruck. Insbesondere die Kapazitätsreduktionen von Low Cost Airlines wirken sich auf die Verkehrsentwicklung aus. Wirtschaftlich ist der
Flughafen Wien aber weiterhin solide aufgestellt. Im ersten Halbjahr 2026 erzielten wir einen Umsatz von 529,3 Millionen Euro und ein Periodenergebnis von 123,2 Millionen Euro. Gleichzeitig investieren wir konsequent in die Zukunft unseres Standorts. Mit der Süderweiterung des Terminal 3, die 2027 eröffnet wird, schaffen wir neue Aufenthaltsbereiche, zusätzliche Gastronomie- und Shoppingangebote und steigern die Servicequalität für unsere Passagiere. Unser Ziel ist klar: Wir wollen Wien als internationales Drehkreuz weiter stärken. Gerade über die Langstrecke kommen auch viele Wintertouristen über den Flughafen Wien nach Österreich und reisen von hier weiter in die Skigebiete.

Wie geht es den österreichischen Regionalflughäfen?
Die Entwicklung ist regional unterschiedlich. Während einige Standorte Passagierzuwächse verzeichnen, stehen andere vor großen Herausforderungen. Regionalflughäfen sind aber weit mehr als reine Verkehrsinfrastruktur. Sie sichern die internationale Erreichbarkeit ganzer Wirtschafts- und Tourismusregionen, schaffen Arbeitsplätze und leisten einen wichtigen Beitrag zur regionalen Wertschöpfung. Gerade für ein Tourismusland wie Österreich sind diese Verbindungen unverzichtbar. Deshalb müssen wir dafür sorgen, dass nicht nur der Flughafen Wien, sondern auch unsere Regionalflughäfen im internationalen Wettbewerb bestehen können.

Welche Bedeutung haben die österreichischen Flughäfen für den Wintertourismus?
Eine ganz entscheidende! Österreich zählt zu den beliebtesten Wintersportdestinationen Europas. Allein in der vergangenen Wintersaison wurden österreichweit mehr als 74 Millionen Nächtigungen verzeichnet, davon rund 43 Millionen in Tirol und Salzburg. Der Wintersport ist damit ein enormer Wirtschaftsfaktor, der jährlich Milliarden an Wertschöpfung generiert und zahlreiche Arbeitsplätze sichert. Eine gute internationale Erreichbarkeit ist dafür unverzichtbar. Besonders die Flughäfen Innsbruck und Salzburg spielen eine wichtige Rolle: Sie bringen Gäste aus internationalen Herkunftsmärkten direkt in die österreichischen Wintersportregionen.

Sie fordern seit Längerem die Abschaffung der Flugabgabe. Warum ist das so wichtig?
Österreich zählt im europäischen Vergleich zu den teureren Luftfahrtstandorten. Die Flugabgabe ist dabei ein zusätzlicher Kostenfaktor, den es an vielen konkurrierenden Standorten nicht gibt. Airlines entscheiden nach wirtschaftlichen Kriterien, wo sie Flugzeuge stationieren und neue Verbindungen anbieten. Wenn die Rahmenbedingungen im Ausland attraktiver sind, werden Kapazitäten dorthin verlagert. Darunter leiden nicht nur die Flughäfen, sondern auch der Tourismus und die gesamte heimische Wirtschaft. Jede Flugverbindung, die Österreich verliert, bedeutet weniger internationale Erreichbarkeit und damit auch weniger Wertschöpfung, Arbeitsplätze und touristische Gäste. Die Abschaffung der Flugabgabe wäre ein wichtiger Schritt, um diesen Trend umzukehren.