Nun gut: Die Verhältnisse sind nicht immer so, wie es sich Freerider erträumen. Zwar bietet Kappl im Tiroler Paznaun ähnlich dem weiter taleinwärts gelegenen Nachbarn Ischgl die besten Voraussetzungen, das Weiß abseits der Pisten zu durchpflügen, aber just in diesen Jännertagen war Frau Holle nicht allzu großzügig – und trotzdem die Lawinensituation mit Gefahrenstufe 3 nicht zu unterschätzen. Der Stimmung bei den Juniorenweltmeisterschaften der Freerider „YETI FIS Freeride Junior World Championships 2026” in Kappl tat das aber keinen Abbruch. Erstaunlich, welche Leistungen auch im bereits zerfahrenen und an anderen Tagen durchaus publikumstauglichen Terrain Alblittköpfe-Nordwand (2720 m) gezeigt wurden, denn die Route ersetzte die ansonsten benutzte „ikonische” Quellspitze.

Insgesamt sind die Regeln im Juniorenbereich recht streng: Ski oder Board über Kopf sind nicht erlaubt. „Ich denke, jeder der Teilnehmenden hätte den Double-Backflip oder Cork drauf”, sagt Tom Löffler, einer der Organisatoren. Doch in den vergangenen Jahren wurde die Konzentration von den gefährlichen Sprüngen Richtung Flow und Skitechnik verlagert, die gewagten Tricks bleiben den Challenger- und Open-Faces-Bewerben der Erwachsenen vorbehalten.

Das Skigebiet Kappl selbst erstreckt sich über 42 Pistenkilometer, das auch für Anspruchsvolle viele Nuancen zu bieten hat. Das Netz von 10 Liftanlagen erschließt das Terrain perfekt und durch die kürzlich eröffnete Diasbahn ist der Einstieg vom Tal nun sehr komfortabel und mit wenig Anstellzeiten möglich. Der höchste Punkt des erschlossenen Skigebiets liegt auf knapp 2700 Meter, so dass man über 1500 Meter Höhenunterschied auf der famosen Lattenabfahrt ins Tal bewältigen kann. Dank bester Beschneiung und Pistenpräparierung ist das auch bis ins Frühjahr möglich, obwohl sich das Gebiet überwiegend auf der Sonnenseite befindet. Oder wie es im aktuellen Ski Guide Austria 2026 heißt: „Vor allem im Frühjahr lautet die Idealvariante: Vormittags auf der Südseite in Kappl, nachmittags mit dem gleichen Ticket in See. In Kappl sollte sich keiner die Variante Blanken vom Lattenjoch entgehen lassen.“

Schon von der stimmungsvollen Startnummernverlosung an prägten die 67 Rider (14- bis 18-jährige) das Dorfbild. Den Höhepunkt der Präsenz der Jugend bildete sicher die Siegerehrung der Freeride Junior World Championships im Dorfzentrum. Wie sie sich von anderen derartigen Veranstaltungen unterschied! Da wurde schon mal die Fan-Begeisterung durch ein Wurfgeschoß auf die drittplatzierte Schweizer Freeriderin Nima Janet-Moreillon unterstrichen, das sie ebenso elegant wie grinsend mit dem eben erhaltenen Ehrenpreis unschädlich machte. Seither hat sie zwei halbe Preise… Gewinner wurden aber auch von ihren Mannschaftskollegen auf die Bühne getragen – wo dann der zweitplatzierte österreichische Freeskier Jem Müller eine ihm zugeworfene Bierdose in den Skischuh leerte und diesen dann austrank. Die Begeisterung seiner Mutter, einer Engländerin, über ihren Junior war angesichts dieser Aktion reduziert: „Das habe ich noch nie von ihm gesehen.” Dessen ungeachtet werden seine engagierten Eltern gewiss weiter viel in die Karriere ihrer beiden erfolgreichen Söhne investieren (müssen).

Natürlich stellten wie bei allen Nachwuchsveranstaltungen die Eltern einen Gutteil des Publikums. Eine besondere Rolle kam dabei den Eltern der Weltmeisterin der Klasse Freeski Jana Häusl zu, die ihren Titel aus 2024  wiederholen konnte.  Die 17-Jährige Tirolerin aus St. Anton am Arlberg, die mehrere Threesixties in ihrem Lauf unterbrachte, feierte am Podium weniger extravagant, doch nicht minder begeistert. Ihre Eltern Geli und Stefan spielen im Freeride-Geschehen eine besondere Rolle, denn beide waren höchst erfolgreiche Freerider und Stefan Häusl trainiert am Arlberg ein eigenes internationales Freeride Team, zu dem auch die beiden österreichischen Medaillengewinner zählen.

Kids, die sich ihr technisches Rüstzeug für Off-Piste-Kunststückchen erst aneignen müssen, trifft man in Kappl übrigens im Sunny Mountain Erlebnispark – ein speziell für Kinder gestalteter Bereich, in dem sie spielerisch das Skifahren erlernen können. Das Maskottchen „Flaxi“ sorgt für zusätzliche Unterhaltung genau so wie verschiedene kindgerechte Attraktionen.