Viele Gäste aus Österreich beherbergt das katalanische Tal Boi nicht. Schon gar nicht im Winter. Dabei ist dieser Flecken in den spanischen Pyrenäen ein ansehnliches Skigebiet, dessen Lifte erst jenseits der 2000er-Marke starten.

Vielleicht erinnert das nahezu baumlose Terrain von Boi Taüll (ausgesprochen: Ta-ul) auch deshalb ein wenig ans Tiroler Kühtai, weil es auf exakt der gleichen Höhe liegt (2020m). Doch ein Dorf gibt es in dieser Höhe nicht, nicht einmal ein Hotelbett – das Dorf Taüll liegt exakt 500 Meter niedriger und ist noch dazu durch eine Schlucht in zwei Ortsteile getrennt. Gästebetten – häufig Apartments – sind dort zu finden.

Zugegeben: Selbst wenn das Skigebiet Boi Taüll den mit Liften höchsten erreichbaren Punkt der Pyrenäen aufweist – auch die Macher des im medianet Verlag erscheinenden Ski Guide Austria, Dr. Günter Fritz und Fred Fettner, hätte es normalerweise nicht in dieses Eck verschlagen. Doch als Vorstand des SkiClubs Österreichischer Journalist*innen rief die Generalversammlung des Weltverbands SCIJ – auf dem der ehrenvolle Wunsch an den SCÖJ herangetragen wurde, für 2028 die Austragung dieser Veranstaltung in Österreich zu evaluieren.

Auch vor diesem Hintergrund war der Besuch von Boi Taüll lohnend. Doch nicht minder, weil die Pyrenäen diesen Winter von Rekordmengen an Schnee beglückt wurden. Leider war davon in der ersten Märzwoche der Großteil schon wieder in der südlichen Sonne dahingeschmolzen. Doch während es im Dorf schon nach Frühling aussah, strahlte das Skigebiet in noch immer frischem Weiß. Natürlich ist man als Österreicher verwöhnt: Hier geht es auf stolze 2750 Meter – doch von Gondeln oder Sesselbahnen mit Schutzhauben ist hier nichts zu sehen. Ein Tellerlift – und einige klassische Sessellifte – lassen einen den Skitag unter spanischer Sonne (oder Wolken, Wind und Schnee(regen) unmittelbar erleben.

Was das Gebiet allerdings wirklich herausragend macht, ist die endlose Weite der Hänge. Ob 45 km präparierte Pisten, Skirouten oder Tiefschneehänge, bis hin zu zünftigen Couloirs: hier wird jeder fündig. Als ganz ausgezeichnet erwies sich die professionelle Abwicklung im qualitätsvollen Skiverleih, selbst eine passende Tourenausrüstung mit Fell wird in Windeseile bereit gestellt. Denn die eine oder andere Skitour ist auch in Boi Taüll ein Thema. Bestens organisiert gingen auch die „Ski-Weltmeisterschaften der Journalisten“ über die Bühne. Immerhin konnte sich das österreichische Miniteam mit einer Bronzemedaille im Medaillenspiegel verewigen.

Zum Feiern kam man Abends im Dorf zusammen, wobei gesagt werden muss: Eine Partymeile wird man in Boi Taüll vergeblich suchen und auch das alpine Hüttenleben ist überschaubar. Aber zumindest verhungert man in den drei SB-Berglokalitäten nicht und unten gibt es auch gehobene Lokal mit regionalen Spezialitäten. Ohnehin fliegt man als Österreicher nicht unbedingt wegen des Skierlebnisses nach Barcelona um anschließend vier Stunden in die Berge hinauf zu kurven.

Es ist das ski-exotische Gesamterlebnis in einer faszinierend anderen Bergwelt, es sind die speziellen Steinhäuser und nicht zuletzt die als Welterbe geschützten romanischen Kirchen, welche die Reise in das nur wenige hundert Einwohner zählende Hochtal lohnen. Wobei die mit überraschenden Türmen erstaunenden Steinkirchen innen eine Hightech-Sensation bieten: In Sant Climent de Taüll wird die Historie dank Augmented Reality lebendig. Die aufgrund der wenigen erhaltenen Fresken für uns sonst als karge steinerne Zeugen romanischer Architektur gewohnten Wände, erstrahlen in diesem Fall mit Hilfe der Technik in ihren ursprünglichen, kraftvollen Farben. Sehenswert!