WorldSkitest 2020

von Alexandra Otto 22/06/2020
Material
WorldSkitest 2020

Crowd-Intelligence schafft Sieger

GEWINNEN Sie (!) den Überblick. Nichts einfacher als das. Zumindest wenn man einen Test hat, der neutral und gewissenhaft die wichtigsten Gleitgeräte für die neue Skisaison in Augenschein nimmt. Denn es ist nicht alles eins, was Jahr für Jahr unter fantasievoll wechselnden Bezeichnungen den Weg in die Shops – und zu den Verleihfirmen – findet. Wie sich die neuen Modelle anfühlen ist hier nachzulesen. Zu diesem Zweck erprobten rund 200 Testerinnen und Tester im Rahmen des bereits 16. WorldSkitest die 220 neuesten Alpinskimodelle. Inmitten von aktuellen und vergangenen Skistars war der „Ski Guide Austria“ wie in den vergangenen Jahren mittendrin statt nur dabei.

Klar, dass der „Kaiser“ persönlich sein Heimspiel in Bad Kleinkrichheim, Kärnten, nicht ausließ. Olympiasieger Franz Klammer steht als Aushängeschild des WorldSkitest nicht zuletzt für die Qualität dieses Vergleichs der aktuellen Skimodelle. Und für den Spruch: „Tester sind keine Raser!“ Weil man einem Kaiser nicht widerspricht, gingen die Tests  all die Jahre ohne ernsthafter Verletzungen über die Bühne. Es ist schon klar: Was Weltcupfahrer aus halb Europa als „beschaulich“ empfinden, mag anderen schon als Geschwindigkeitsrausch erscheinen, aber entscheidend ist ja, die Geräte perfekt unter Kontrolle zu halten. Diese Mischung zwischen Amateuren und Profis macht ja auch den Wert des Tests aus. Denn es hilft wenig, wenn trainingsgestählte Oberschenkel, die dem Bauchumfang mancher Teilnehmerin 
entsprechen, einen Ski als „super“ bewerten, den aber Otto Normalverbraucher nur mit größter Kraftanstrengung um die Kurve bringt. 

WER WAR DABEI? Wie alle Jahre sah man viele bekannte Gesichter, vor allem internationale, aktive und ehemalige Spitzensportler, welche die Skier unter die Lupe nahmen. Neben Testleiter und Olympiasieger Franz Klammer, waren es aus Österreich Olympiasieger Fritz Strobl, Weltmeister Manfred Pranger, Super-G Weltmeisterin und Speedqueen Nicole Schmidhofer, ÖSV Läuferin Hannah Köck, ÖSV-Newcomer Daniel Dankelmaier, Paralympics Silbermedaillen Gewinner und Paralympics Weltmeister Matthias Lanzinger, ORF-Experte und Olympia Silbermedaillengewinner Hans Knauß, und Ex-Skirennläufer Pepi Strobl. Hinzu kamen die ehemaligen slowenischen Slalomstars Urska Hrovat und Jure Kosir. Die slowenische Abteilung umfasste zusätzlich die Aktive Tina Robnik. Weiters gesichtet: Aus dem Demo-Team Edita Mar und Dusan Fidler, der ehemalige ÖSV Abfahrer Hans Grugger, ÖSV Damentrainer Roland Assinger. Dazu gesellten sich aber auch „Normalskiläufer“, teils Prominente aus anderen Sportarten, Lebens- und andere Künstler, aber auch glückliche Teilnehmer eines Preisausschreibens. Zusätzlich schlossen Journalisten unterschiedlicher Ressorts mit den 2020er-Modellen Bekanntschaft. Denn das ist das besondere an diesem Test: Auch Normalskiläufer können Eindrücke sammeln und anschließend über eine Punktekarte vermitteln. Crowd-Intelligence schafft hier den Sieger. Alle waren zu diesem Zweck nach Kärnten gekommen. Und vielleicht auch ein wenig, um abends bei der Fashionshow mit den Kollegen am Ende der Rennsaison zu feiern. Insgesamt standen in allen Kategorien Skimodelle der – abgesehen von Head – zehn wichtigsten Produzenten den Testern zur Verfügung. Hinzu kamen in der Kategorie Open Space besonders teure oder außergewöhnliche Modelle auch anderer Anbieter, die aber nicht mit Punkten bewertet wurden.

Die getesteten Kategorien waren:

• Ladies High Performance
• Ladies Allround
• Men High Performance
• Men Allround
• Race Slalom
• AllMountain
• Jugend Race GS

Die Ergebnisse der einzelnen Kategorien sind auf den folgenden Seiten dokumentiert, wobei einige Kategorien in ihrer Darstellung zusammengezogen wurden. Wie immer zählte der erste Eindruck. Jedem Teilnehmer blieb nur eine einzige Fahrt mit dem jeweiligen Ski, um das Modell zu beurteilen. 

BLACK IS BEAUTIFUL! Denn das Markenzeichen sind die schwarz neutralisierten Skier. Jedes Paar ist penibel mit schwarzer Folie überklebt und mit einer Verleihbindung ausgestattet. In der Wechselstation werden die Bindungen ausschließlich vom neutralen WorldSkitest-Serviceteam eingestellt. Durch die schwarzen Skier fällt beim Testen die 
Markenpräferenz weg. Nach jeder Fahrt wird vom Tester objektiv ein Bewertungsbogen ausgefüllt, dabei werden folgende Punkte bewertet: Langer Schwung, Kurzer Schwung, Kantengriff, Drehfreudigkeit und Allgemeiner Kraftaufwand. Aus allen gesammelten Testbögen wird ein Mittelwert errechnet der zum endgültigen Ergebnis führt. Auf 
die schwarz abgedeckten Skioberflächen wird nur in der Kategorie „Open Space“ verzichtet. Sonst soll sich keiner von Design oder Markennamen beeinflussen lassen, sondern völlig unvoreingenommen das Fahrgefühl über die Punktevergabe bestimmen lassen. Auf diese Art soll es schon vorgekommen sein, dass ein Rennläufer die Ski seines eigenen Rennstalls in Grund und Boden verdammt hat. Diese Objektivität in der Beurteilung und das gemischte Testteam machen den WorldSkitest einzigartig aussagekräftig. Testleiter Franz Klammer: „Wir versuchen alles, um den Skifahrern bei der Wahl des richtigen Skis zu helfen, damit das Skifahren ein Genuss ist!“ 

Seit sich Österreichs kultigste Gleitgeräte vor über einem Jahrzehnt schlanke Taillen zulegten, um zu kurvenfreudigen Carvern zu werden, fehlen bei den Pistenskiern auffällige Novitäten. Trotzdem beweist der 2020er-Jahrgang einmal mehr: Von Stillstand keine Spur. Das wäre gerade in diesem Metier auch fatal. Neuerungen spielen sich in erster Linie im Innenleben ab – oder in den Grafik-Studios der Oberflächendesigner. Wie Österreichs Marktgrößen Atomic und Fischer durchaus zugestehen: Ein Drittel der Produkte werden für die Saison komplett neu entwickelt, aber ein weiteres Drittel ändert nur den oberflächlichen Auftritt. 

OHNE TESTER ist die Chance auf Anhieb die passenden Bretteln aus der unendlichen Reihe an bunten Latten auszuwählen fast unmöglich. Die Entscheidung fällt im Sportshop aus einer Summe von Einflussfaktoren, einer Melange aus Gewöhnung, Beratung, sportliche Rennerfolge, Werbung, Hörensagen und nicht zuletzt optischen Kriterien. Der klassische Griff an die Spitze des Ski, um anschließend das Modell mit der anderen Hand kraftvoll durchzubiegen, sagt leider mehr über die Ausbildung und Kraft des Verkäufers aus, als über die Tauglichkeit des Produkts für die eigenen Zwecke. Eine Möglichkeit, sich nicht auf die Tester zu verlassen, heißt selbst probieren. Wer also überlegt ein Topmodell anzuschaffen, könnte es vorher einen Tag im Skiverleih ausborgen. Wobei auch dort leider nicht immer alle Spitzenmodelle der Marken vorhanden sind. Doch neben den geeigneten fahrtechnischen Eigenschaften für die jeweiligen Bedürfnisse ist auch das Design ein Kriterium bei der Skiwahl: Sie sollen zur aktuellen Mode passen, zum eigenen Geschmack. Die neuesten technischen Entwicklungen werden oft in wahre Kunstwerke „verpackt“, die mit dem „Snowstyle of the Year“ belohnt werden. Dafür haben alle nach einem anstrengenden Testtag 
im Bergrestaurant gerne die neuen Designs einem kritischen Blick unterzogen. 

AUCH DESIGN MUSS SEIN, dabei waren nach Meinung der Tester die „schönsten 2020 unter der Sonne“: 
„SnowStyle of the Year 2019/20“ 
Rossignol SEEK 7 TOUR – Kategorie Touren Men 1
Ladies High Performance: Elan Insomnia
Ladies Allround: Blizzard Alight 7.2 CA
Race SL: Rossignol Hero Elite ST Ti
Men High Performance: Rossingol Hero Elite LT Ti
Men Allround: Elan Amphibio 16
AllMountain: Blizzard Brahma 82
OpenSpace: Elan Amphibio 18
Youth GS: Atomic Redster G9 
Freeride bis 100mm: Atomic Bent Chetler 100
Freeride über 100mm: Stöckli Stormrider 95
Touren Men 1: Rossingol Seek 7 Tour
Touren Men 2: Salomon MTN Explore 95
Touren Ladies: Stöckli Edge 88

WOFÜR STEHEN DIE EINZELNEN KATEGORIEN?
• ALLROUND: Einfachere Modelle, für Freizeitskifahrer, die möglichst problemlos die Pisten bewältigen wollen und sich beim Tempo nicht am Limit bewegen.
• ALLMOUNTAIN: Ist das Allround-Modell für bessere Fahrer. Solche, die sich gerne auch mal von der Piste wegbewegen. Ob harter Kunstschnee oder zu weicher, zerfurchter Tiefschnee, die Freude am Skilauf soll nie verloren gehen. 
• RACE: Das sind die rennsportlich auftretenden Geräte, die nicht immer leicht in den Griff zu bekommen sind. Wenn es gelingt, dann geht die Post ab. 

FREERIDE SKITEST IN KALS 
Für die speziell für Ausflüge in den Tiefschnee gebauten Ski wird seit einigen Jahren ein eigener Freeride-Test durchgeführt. Erstmals ging er unter großer Begeisterung im Großglockner-Resort Kals in Osttirol über die Bühne. Getestet wurde in zwei unterschiedlichen Kategorien – je nach Breite unter der Bindung. 

TOUREN-SKITEST IN INNERKREMS
Nach der erfolgreichen Premiere des WorldSkitest Tourenski-Test im Vorwinter, wurde dieser abermals in der Innerkrems (Nockberge-Trail) durchgeführt. Getestet wurden eine Damen und zwei Herrenkategorien. Damen: 82 bis 88 mm Mittelbreite, Gewicht bis max. 2.600 Gramm ohne Bindung. Herren 1: 85 – 90 mm Mittelbreite, Gewicht bis max. 2.800 Gramm ohne Bindung. Herren 2: 92 bis 99 mm Mittelbreite, die etwas schwerer und eher abfahrtsorientiert sind. Weil in den beiden Spezialtests ausschließlich Profis am Werk waren, war der Ski Guide hier als Tester leider nicht 
persönlich dabei.