Skischuh - Alles wird leichter und einfacher

von Alexandra Otto 06/04/2020
Ausrüstung
Skischuh - Alles wird leichter und einfacher

BEQUEM IN DEN SCHUH. Die größte Auffälligkeit der kommenden Saison ist sicher das Comeback der  Heckeinsteiger. Also nicht auf breiter Linie, sondern Atomic bietet den bequemen Einstieg bei seinen Komfortmodellen „Savor“. Doch Fischer betont bei seinem Ranger One, dass man auch bei tiefen Temperaturen komfortabel in die Skischuhe hinein und vor allem wieder heraus kommt. Die Entwicklung von Skischuhen hat über die Jahrzehnte mehrere Stufen erfahren: Der Bergschuh erhielt Metallversteifungen, damit er in der Befestigung am Holzski besser und länger hält. Mit der Festigkeit der Schuhe wurden Sicherheitsfunktionen der Bindungen entwickelt. Dem Schnür- folgte schließlich ab 1970 auf breiter Front der Schnallenskischuh. Denn die Lifte haben den Skisport revolutioniert, es ging nur mehr ums runterfahren. Ersten Versteifungen mit Glasfiber folgten bald reine Kunststoffschuhe. In den folgenden Jahrzehnten wurde vermehrt daran gearbeitet, das Innenleben weich und anpassungsfähig zu kriegen. Ein Prozess, der noch keineswegs abgeschlossen ist. Seit zwei Jahren beschäftigt man sich wieder mehr mit dem Weg zum Skibus oder vom Parkplatz zur Liftstation. Mit der harten, flachen Rennsohle können schon 200 Meter unendlich lang wirken. Außerdem nutzen sich die Kunststoffsohlen rasch ab, bei einfachen Modellen lassen sich Spitze und Ferse nicht einmal als Ersatzteil erneuern. Dann passen die Schuhe nicht mehr in die Bindung – und müssen entsorgt werden. Schon länger haben sich über die Freeride-Modelle weichere Sohlen mit guten Abrolleigenschaften etabliert. Doch die Bindungen spielten da nicht mit – besonders im Verleih. Nun beseitigt Grip-Walk®, das sich am Markt durch-
gesetzt hat, dieses Problem. Ab dieser Saison ist auch die Gruppe Head/Tyrolia GripWalk-Partner. Dafür wurden nicht nur die Schuhe, sondern auch die drei Attack2-Bindungen komplett neu designt und mit dem Zusatz GW eindeutig gekennzeichnet. Ausgenommen sind nur die Racing-Modelle.

BLASEN ADÉ! Natürlich bleibt die stabile Abfahrt und der schmerzfreie Tag im Skischuh das wichtigste Kaufargument. Die Anpassungsmöglichkeiten haben die Skischuhe in den vergangenen Jahren ohnehin zum Verkaufsstar im Wintersporthandel gemacht. Alljährlich werden mehr Boots als Skier verkauft. Vielleicht auch, weil gerade beim Schuh das Ausborgen nicht immer die weiseste Entscheidung ist. Wer sportlich fährt, aber auf kleinem Fuß lebt, wer außergewöhnlich schmale oder breite Leisten benötigt, wird auf jeden Fall seine Skischuhe käuflich erwerben – und damit über mehrere Jahre glücklich sein. Statt einen Skitag lang unter Schmerzen zu ächzen. Und wo die Chance auf Erträge groß ist, wird auch mehr in die Forschung investiert. So orientiert sich jeder Produzent am „Bootfitting“.

IM WIRKLICHEN LEBEN ist es ja nicht gerade ein edler Charakterzug sich angepasst das Leben zu vereinfachen. Beim Skischuh gibt es da keine moralischen Bedenken, sondern es ist das Ziel der neuen Spitzenklasse unter den Boots. „Customized boots“, „Bootfitting“ oder wie die unterschiedlichen Marken es auch nennen mögen. Es sind Schuhe, die individuell an die Fußform des Käufers angepasst werden. In der Regel erfolgt das durch Wärme. Daher sind die beim Fachhandel stehenden Geräte kleine Backöfen, nur bei AquaNovo erfolgt die Anpassung unter Wasser. Ein Online-Kauf wird aufgrund der Anpassung zunehmend ein Ding der Unmöglichkeit.