Parks - Himmelhoch jauchzend

von Alexandra Otto 11/01/2021
Boarding/Funparks
Parks - Himmelhoch jauchzend

ABER NIE ZU TODE BETRÜBT. Das ist das Stimmungsbild in den Funparks. Das wird auch diesen Winter nicht anders sein, selbst wenn es die hierorts dominierende Jugend beim Feiern ein wenig ruhiger angehen muss. So wird noch mehr sportlich „höher, schneller, weiter“ präsent sein, als „lauter und kuscheliger“. Wobei es mit höher und weiter schon seit einiger Zeit vorbei ist. Denn irgendwann war im wahrsten Sinne des Wortes die Schmerzgrenze erreicht. Das aktuelle Thema ist eindeutig Variantenreichtum: Das heißt, neben den unverändert extremen Kickern und Rails wird immer öfter daran gedacht, Anfängern und noch nicht ganz Abgehobenen eigene Lines zu bauen. Alle angeführten Parks trennen ihre Klientel nach diesen Kriterien. Durch die Trennung nach unterschiedlichen Bedürfnissen sind Funslopes modern geworden. Als Teil der Snow- & Funparks oder eigenständig an den Rand von breiten Pisten gebaut. Nie darf dabei ein Kreisel fehlen, eine 360-Grad-Kurve, die mit einem kleinen Tunnel endet. Denn Spaß sollen nicht nur Burschen und Mädchen auf ihren fliegenden Brettern haben.

DIE "SOFT VARIANTE“ ward geboren, weil Skilehrer ihre Bambinis zu deren Begeisterung gerne durch die Crossstrecken fahren ließen. Das war nicht der Sinn der Sache und die Crossparkure sind inzwischen fast nur in Orten mit Cross-Rennen zu finden. Nach den Vorreitern war die Entwicklung fast lawinenartig. Zu unseren persönlichen Favoriten bei den Funslopes zählen Serfaus, Sölden, Axamer Lizum und Bad Hofgastein, aber auch kleineren Gebieten wie der Ehrwalder Alm finden sich toll designte Exemplare. 

DIE QUALITÄT dieser Bahnen wächst mit der Schneehöhe. Natürlich sind sie nicht überall so spektakulär wie in Zell am See. Die Schmitten Funslope ist 1.300 Meter lang und soweit bekannt, eine der längsten der Welt. Neben Steilkurven, Wellen, Sprüngen, Boxen und zwei Schnecken ist die einzigartige Streckenführung durch den Wald, die an das geliebte „Waldwegerl“ erinnert, ein Highlight der Funslopes. Um dem Erlebnis weitere Sinneseindrücke hinzuzufügen, wurde die Funslope durch Sound-Elemente wie den Sound Speed Booster oder Sound Slopies erweitert. Mancherorts nennt man eine Variante schlicht „Wellenbahn“, etwa in Hochficht, wo sie im Skigebiet verteilt errichtet werden. Man könnte auch behaupten, würden nicht alle Pisten glatt gehobelt, sondern einige unpräpariert gelassen, bräuchte es diese Innovationen gar nicht. Aber da geht es durchaus auch um Sicherheit, sprich Versicherungen und Klagen. Das Zentrum des jungen Treibens sind und bleiben die Funparks mit ihren Kickern unterschiedlicher Höhe, den Rails und Boxen. Zur Bequemlichkeit werden immer häufiger kleine Lifte an den Pipes errichtet. Wobei Hinterstoder 
vielleicht als Indiz dafür gelten kann, dass die Hochblüte der Parks vorüber ist: Denn das Gebiet vermeldet : „Kein Snow Park mehr!“

ABSOLUT das Nonplusultra dürfte das Treiben im „Absolut Park“ von Flachauwinkl-Shuttleberg sein. Der Frühling ist längst da, die Temperaturen sind fast schon sommerlich, doch wenn man hier in der Salzburger Sportwelt vom Park spricht, dann denkt keiner unter 30 ans Blumenpflücken. Absolut nicht. Man könnt auch sinnieren: Tables statt Bankerln, Rails statt Radln oder auch Kicker statt kicken. Vor 20 Jahren hat man hier das Snowpark-Leben begonnen. Josef Harml jun., kurz Sepp, war von Anfang an dabei. Als Boarder animierte er, den gästearmen Schlepplift der Familie auf diese Art zu beleben. Übung gelungen: Heute kommt der komfortable „Absolut-Shuttle“ zum Einsatz und 
auf eine Million Fahrten an den rund 130 Tagen Liftbetrieb. Schon seit 2006 ist das Chillhaus zentraler Kulminationspunkt des Rider-Treibens. Ein Schutzhaus der anderen Art. Mit einer Ramp und Boulderanlage, speziell wenn das Wetter nicht mitspielt. Oben wird der Kalt- und Heißwasserspender eifrig genutzt, denn es herrscht kein Kaufzwang! Die umgebenden Hütten freut’s, die Terrassen sind reichlich belebt und die Action auf den zahllosen 
Kickern steht für ein zirkusreifes Programm.

KÖNNEN sollte man’s halt. Das gilt auch für die leichteren der zahllosen Lines. Als Besonderheit kann man hier die Absolut School nutzen. Eigentlich eine ganz normale Ski- und Snowboardschule, doch sechs der Lehrer sind Freeski- und Freestyle-Spezialisten. Zusätzlich gibts Local-Kids-Camps zum Halbpreis. Der Absolut Park scheint auch die passende Basis für künftige Höhenflüge zu sein: Olympiasiegerin Anna Gasser hat hier ihre ersten Jumps absolviert und hält dem Absolut-Park weiter die Treue. „Wichtig ist, dass die Leute schon sicher Boarden oder Skifahren können, bevor sie sich in den Park begeben“, betont Sepp. Zu den Ausnahmen, welche die Regel bestätigen, gehörte just Anna Gasser. Sie startete mit Rückwärtssalti, doch boarden hat sie eigentlich erst später erlernt. 

ERST DIE ARBEIT, dann das Vergnügen. Daran denkt kaum jemand, sieht er die seit über einem Jahrzehnt von den Pistenrändern ins Zentrum rückenden Halfpipes und Schanzen, die längst zu kompletten Snow- oder Funparks gestylt werden. Kaum eine Region verzichtet heute auf dieses Angebot, um das sich meist eine junge Szene gruppiert. Wie komplex es ist, diese Parks in den Schnee zu zaubern, erzählte dem Ski Guide Austria Shaper Martin Liebmann am Kitzsteinhorn. Sechs fix angestellte Shaper hegen die drei Parks, hinzu kommen Raupenfahrer und Helfer. Selbst werkt der Einheimische während der Saison im Rhythmus vier Tage arbeiten, drei Tage frei. Arbeit bedeutet um 07.40 Uhr hinauf zu fahren, frei für ihn, meist den Park selbst zu nutzen. Weil der Gletscher fließt müssen die Hindernisse regelmäßig erneuert werden. Die Kunst der richtigen Gestaltung ist vor allem den Absprungwinkel richtig zu berechnen. Hier helfe allein die Routine. „Beim ersten Jump trotz vorsichtigem Anlauf mit enormer Air über den Vorbau segeln, um schließlich im Flat zu zerschellen, das hat fast jeder schon mal erlebt“, weiß Freeskier Dominik aus schmerzlicher Erfahrung. Dies zu verhindern ist die Aufgabe der Shaper. Bei 30 Obstacles am Kitzsteinhorn eine ordentliche  Herausforderung. Denn es gilt im Winter neue Schneefälle einzuberechnen, die Jumps nicht zu hoch zu bauen. Den Eindruck, die Sprünge werden in einem Wettstreit der Parks immer höher, dementiert Liebmann. Sicherheit sei oberstes Gebot in den durch Schildern deutlich gekennzeichneten „Sonderzonen“.

DC STUBAI ZOO
Auf 3.100 Meter, direkt am Gaisskarferner gelegen, bietet dank Südhanglage weiche Landungen von früh bis spät. Im Herbst und Frühjahr präsentiert sich der Park in großem XXL-Setup mit Pro-, Medium-, Jib- und Easy-Line. Mit Boardercross-Park. Im Winter bildet BIG Family Slopestyle am Eisjochferner das familiäre Kontrastprogramm. 

SNOW PARK KITZSTEINHORN
Eine extra lange Freestyle-Saison von Oktober bis Mai, erfahrene Shaper und zumindest die Hoffnung auf einen Weltcup und Szene-Events. Ab Herbst werden im Glacier Park die ersten Kicker, Rails und Boxen geshredded. Bis 
Anfang Mai bieten dann Easy Park und Central Park abwechslungsreiche Setup. Superpipes mit über sechs Meter hohen Wänden.

PENKEN PARK MAYRHOFEN 
Direkt am eigenen 4er-Sun Jet überzeugen Rainbow-Box, der markante Wallride und die gewaltige Multijib „Beastbox“. Sonst begeistern sich vor allem Einsteiger und jüngere Freestyle-Akrobaten am Kidspark, der – ebenfalls mit einem eigenen Lift ausgestattet – perfekte Bedingungen bietet, um an den Tricks zu feilen.

SNOWPARK TURRACHER HÖHE
Auf insgesamt 1,5 km Länge errichteter Park, der durch seine drei Lines (Beginner, Medium, Advanced) keine Wünsche offen lässt. Hinzu kommt eine XXL-Funslope von fast 1,5 km, damit auch weniger Sprungfreudige oder Mutige bei Fun nicht zu kurz kommen. Shredschool Workshops.

ABSOLUT PARK FLACHAUWINKL 
Der Absolut Park am Shuttleberg Flachauwinkl-Kleinarl ist inzwischen einer der größten in Europas: 1,5 km Länge und in 6 Sektionen unterteilt: Kickerline, Rail Line, Beginner Line, Halfpipe, Jib Park und Superpipe. Die über 100 Obstacles werden täglich professionell geshapt. Superpipe mit 160 Metern Länge und 6,80 Meter Höhe. Perfekte Parkbase!

NIGHTPARK + FREERIDE-PARK SAALBACH-HINTERGLEMM
Im Home of Lässig fällt vor allem der Nightpark namens Snowpark U-Bahn auf. Der riesige Park unweit des Dorfzentrums von Hinterglemm lockt bei Tag und Nacht mit Easy-, Medium- und Pro-Lines. Mit abwechslungsreichen 
Obstacles, wie dem berüchtigten Gap-Kicker. Noch neu ist aber ein spezieller Freeride-Park an der Asitzmuldenbahn, beliebt bei Freeski-Einsteigern.

BLUE TOMATO KINGS PARK HOCHKÖNIG
Lang – länger – Blue Tomato Kings Park in Mühlbach am Hochkönig. Das Parkareal erstreckt sich beinahe über die gesamte Länge der 8er-Kabinenbahn Kings Cab und füllt damit eine unglaubliche Länge von 1,8 km mit feinsten  Freestyle-Elementen – durchgehendes Cruisen ohne Zeit auf der Piste zu verlieren. Rails, Boxen und Wallrides sorgen für Jib-Vergnügen vom Feinsten. Aber auch Kicker Freaks kommen voll auf ihre Kosten.

SNOWPARK NASSFELD
Die vier Meter lange Flat Box und die Rainbow Box sind wie gemacht zum Ausprobieren. Jeden Sonntag (ab Jänner) kostenlose Snowboard- und Freeski-Workshops mit der ShredSchool. Dann geht's rasch auf die anspruchsvolleren Kicker- und Public-Lines.

BLUE TOMATO FUNPARK STUHLECK 
… ist, da nur etwa eine Stunde von Wien entfernt, die Location schlechthin für Rider aus Ostösterreich. Über den gesamten Berg sind die Highlights verteilt. Bis hin zu Shredwood Forest. „Blue Tomato“ begeistert die Profis. Wer die Buzzer Cam aktiviert, wird aufgenommen und kann sich seinen Clip herunterladen und verschicken. Der Park ist in den Nachtskilauf eingebunden. 

AIRYPARK KREISCHBERG MURAU
Neben dem stilecht „WM-Bahn“ benannten Sessellift wartet am Austragungsort der 2015 abgehaltenen Freestyle-Weltmeisterschaften ein gediegener Park mit Flat Trail und Kinked-Box zum Aufwärmen, drei tollen Kickern und schließlich der anspruchsvollen Curvebox zum Abfliegen auf. Berühmt ist der Kreischberg aber für seine schier endlose, beleuchtete Halfpipe mit hohem Wallride zum Finale. Freestyle-Park auf 1.900 Meter.