Lawinenkunde - Warnstufen und Sicherheitstipps

von Alexandra Otto 11/05/2020
Winter in Österreich
Lawinenkunde - Warnstufen und Sicherheitstipps

VORSICHT IM FREIEN GELÄNDE: Immer mehr Snowboarder, Tourengeher und Skifahrer suchen das Fahrvergnügen im Tiefschnee abseits der gesicherten Pisten. Jedoch sollte dabei immer an die Lawinengefahr und die entsprechenden Verhaltensregeln gedacht werden. Die Lawinengefahr ist die längste Zeit der Saison ein ständiger Begleiter und lässt sich nur mit entsprechendem Wissen richtig einschätzen. Die größte Gefahr geht von Schneebrettern aus. Das sind unter Spannung stehende „Fallen“ aus schwach gebundenen oder windgepressten Schnee, die auf einer Gleitschicht bei der geringsten Belastung plötzlich quer über den Hang abreißen und abgleiten können. Schon ein sehr kleines Schneebrett kann lebensgefährlich sein, wenn man sich unterhalb davon befindet oder es selbst ausgelöst hat und mit dem Kopf nach unten mitgerissen wird. Bevor abseits der Pisten gefahren wird, ist das Einholen des Lawinenlageberichts Pflicht.

GRUNDSÄTZLICH GIBT ES FÜNF LAWINENWARNSTUFEN: 

• STUFE 1: Die Schneedecke ist allgemein gut verfestigt und stabil. Auslösung ist allgemein nur bei großer Belastung an sehr wenigen, extremen Steilhängen möglich. Spontan sind nur kleine Lawinen möglich.

• STUFE 2: Die Schneedecke ist an einigen Steilhängen nur mäßig verfestigt, ansonsten allgemein gut verfestigt. Auslösung ist insbesondere bei großer Zusatzbelastung vor allem in Steilhängen möglich. Größere spontane Lawinen 
sind nicht zu erwarten.
• STUFE 3: Die Schneedecke ist an vielen Steilhängen nur mäßig bis schwach verfestigt. Auslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung vor allem an den angegebenen Steilhängen möglich. Fallweise sind spontan einige mittlere, 
vereinzelt aber auch große Lawinen möglich. Warnstufe 3 steht für ungünstige Verhältnisse: 75 Prozent der Lawinenunglücke ereignen sich bei Stufe 3!
• STUFE 4: Die Schneedecke ist an den meisten Steilhängen schwach verfestigt. Auslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung an zahlreichen Steilhängen wahrscheinlich. Fallweise sind spontan viele mittlere und auch große Lawinen zu erwarten.
• STUFE 5: Die Schneedecke ist allgemein schwach verfestigt und weitgehend instabil. Spontan sind zahlreiche große Lawinen auch in mäßig steilem Gelände zu erwarten.

VORSICHT:
Man hüte sich vor folgenden Irrtümern:
• In diesem Steilhang habe ich noch nie eine Lawine abgehen sehen, er ist also lawinensicher.
• In diesem kleinen, kurzen Hang kann nichts passieren.
• Wald schützt vor Lawinen, unterhalb der Waldgrenze ist es nicht gefährlich.
• Bei großer Kälte gibt es keine Lawinen. 
•  Bereits vorhandene Spuren im freien Gelände sind keineswegs Garantie für Lawinensicherheit, vielmehr kann sich die Stabilität des Hanges mit jeder Spur vermindern. Lawinen werden häufig erst bei der 5. oder 6. Abfahrt ausgelöst.
• Wenig Schnee bedeutet nicht geringe Lawinengefahr. Statistisch betrachtet fordern Winter mit geringen Schneemengen besonders viele Lawinenopfer.
• Die Lawinengefahr bleibt auch durch kalte Temperaturen über eine längere Zeit erhalten!
RICHTIG REAGIEREN: 
Kommt es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zu einem Lawinenabgang und es gibt Verschüttete in der Gruppe, müssen die Rettungsmannschaften informiert werden. Hierbei müssen folgende fünf Punkte mitgeteilt werden.
• Wo: Beschreibung des Unfallortes
• Was ist geschehen?
• Wann ist es geschehen?
• Welche Verletzungen und wie viele Verletzte?
• Wer meldet und Angaben über Standort, Wetter und Landemöglichkeit für den Hubschrauber.
IST MAN SELBST BETROFFEN, SOLLTE MAN:
• Während des Lawinenabgangs Schwimmbewegungen ausführen, damit man möglichst an der Oberfläche der Lawine bleibt.
• Wenn die Lawine langsamer wird, eine Kauerposition (Arme vor Kopf) einnehmen. Damit schafft man eine Atemhöhle, falls man komplett verschüttet wird.
• Nach dem Stillstand Ruhe bewahren und die Lage prüfen. Falls möglich, sich selbst befreien. Kraft und Luft sparen!
• Nicht schreien, das kostet wertvolle Luft. Ausnahme: Man hört Geräusche. Sind andere aus der Gruppe betroffen, ist festzustellen, wo die Verschütteten zuletzt gesehen wurden.
• Pieps (Lawinensuchgerät) auf Empfang stellen und systematisch suchen.
• In den ersten 15 Min. liegt die Überlebenschance bei 90 %, nach 35 Min. sind es nur noch 25 %.
SICHERHEITSREGEN NUMMER 1:
Das Einfahren in freies Gelände sollte prinzipiell nur mit der dafür nötigen Ausrüstung – Lawinenpieps und Schaufel – erfolgen!