Hoch-Kultur: Unterhaltung auf hohem Niveau

von Alexandra Otto 17/03/2020
Winter in Österreich
Hoch-Kultur: Unterhaltung auf hohem Niveau

ES MÜSSEN NICHT IMMER DISCO-KLÄNGE oder Schmachtfetzen sein, die mit Skiurlaub harmonieren. Oder gar volksdümmliche Schunkler in Dirndl und Lederhosen. Klar, das gehört auch zum Après Ski dazu, doch leider dominieren sie auch manche der Großevents in den Skigebieten. Die Zeiten, in denen alle Altersschichten abdeckende Weltstars wie Elton John, Robbie Williams oder The Beach Boys winterliche Open-Air-Bühnen rockten – und es waren stets die Ischgler – scheinen vorüber. Im Vorjahr brachen mit Helene Fischer die Schlagerzeiten aus, für diesen Winter zeichnet sich eine stilistisch und altersmäßig sehr bunte Mischung ab, wobei sich ein gemeinsamer Nenner findet: Überwiegend sind es deutschsprachige Klänge. Jedenfalls ist es schön, wenn auf Berghütten, bei Open Airs unter sternenklaren Winterhimmel oder abends in originellen Locations andere Klänge ertönen.  Etwa bei Snow Jazz im Gasteinertal, wo man sich aber nun gänzlich für Abendkonzerte unter das Dach des Sägewerks Bad Hofgastein begeben hat. „Rund 20 Prozent unserer Besucher sind Einheimische, der Rest kommt extra zum Snow-Jazz: Aus Saalfelden, aber auch aus Long Island, USA“, ist Organisator Sepp Grabmaier stolz. Neue Gästeschichten werden auf diese Art (auch) in den Schnee gelockt. Das Lineup für 2020 stand aber noch aus, also nicht auszuschließen, dass es 
doch wieder kostenlose Sessions auf Berghütten geben wird. 

Ein ähnliches Feld beackert Saalfelden. Hier spielt das Skileben eher periphär ein Rolle, dafür wird auch der winterliche Ableger des berühmten Jazzfestivals schon zur Tradition. Junge internationale Jazzstars erfordern dabei eine intensive Auseinandersetzung mit ihrer Musik. Für dieses Jahr fällt die starke französische Präsenz auf: Mit dem Émile Parisien Quartet „Double Screening“ und dem Trio Aïrés. Parisien hat die Times als „Europas führenden Saxophonisten“ bezeichnet. Auf „Double Screening“ wechseln einander furiose Wildheit und tiefe Schönheit ab, als ginge es darum, rauschhafte Extase in einem Mix aus Chanson, zeitgenössischer ernster Musik, französischer und nordafrikanischer 
Folklore neu zu verorten. 

„LANGSAM WACHS MA Z`SAMM“. Aufgrund dieses Klassikers hat das Kitzsteinhorn Wolfgang Ambros zum musikalischen Rahmen der Eröffnung der neuen Verbindung von Kaprun auf den Gletscher engagiert. Sogar in „großer Besetzung“ mit seiner Nr. 1 vom Wienerwald. Dazu geben auch „Granada“ ihr Stelldichein und die neue Bahn erstrahlt nur an diesem 30. November als nächtliche Lichtinszenierung. Da haben sie sich vielleicht etwas von Lech abgeschaut, wo die nächtlich bunten Gondeln jedes Jahr bei Electric Gondolas begeistern. Dort inklusive heißem DJ-Sound bei der Gondelauffahrt! Weil aber eine Woche nach dem Kitzsteinhorn auch auf der Schmittenhöhe eine neue Bahn eröffnet 
wird, will man gegenüber den Gletscher-Nachbarn nicht zurückstehen. Richtig: Dort Ambros, hier Fendrich. Und garniert wird der große Auftritt von der dänischen Singer-Songwriterin Aura Dione.

IN SCHLADMING versucht man diesen Winter unterschiedliche kulturelle Erwartungen zu erfüllen. Ehe es Richtung Saisonschluss zur „lustig samma“ Puntigamer-Musikanten-WM geht, erklingt zum Saisonstart Electronic Dance-Music! Mit 60 Metern Breite und 40 Metern Höhe ist die Bühne zugleich die größte Gondel der Welt. Absolute Top-DJs legen auf,Licht-, Laser- und Pyrotechnik sollen das Planai-Stadion in ein Meer aus Feuer und Farbe tauchen. Electronic steht traditionell auch in Sölden am Programm. Am Nassfeld in Kärten setzt man auf zeitlosen Mainstream. Das Full-Metal-Mountain-Festival ist Geschichte, dafür startet man dieses Jahr mit Nena und zumindest 99 Luftballons in den Winter. 
Eine Generation deutscher Musik liegt zwischen dem Nassfeld und Obertauern. Seit Jahren tritt zum Saisonstart dort das Who-is-Who der jungen deutschsprachigen Szene auf. Da darf einer nicht fehlen: Deutschrapper CRO - „der mit der Pandamaske“. Bei diesem Thema fällt einem gleich Sido ein – und richtig, der ist zu Ostern auf der Ischgler Idalpe zu Gast. Im nicht ganz so stimmungsvollen Ambiente des Ischgler Opening-Concerts wird's bei den Berliner Seeed trotzdem lustiger zugehen. 

DER ARLBERG nimmt auch musikalisch im Alpenbogen eine Sonderstellung ein. Da locken nicht nur die Electric Gondolas, da erlebt man vielleicht völlig überraschend an der Schlegelkopf-Bar einen DJ mit E-Geige auf einer improvisierten Pistenbully-Bühne. Abseits der Ö3-Tonalität verläuft in Lech auch der Saisonausklang. Beim Tanzcafé lockt in der ersten Aprilhälfte eine Fülle tanzbarer Musik. Egal ob In- oder Outdoor, der Eintritt zur Mischung aus Jazz, Funk, Swing, einem Schuss Hip-Hop, Pop und Elektro ist für alle kostenlos. Auf der anderen Bergseite rockt St. Anton diesmal mit Sarah Connor und Nico Santos lautstark in den Winter. Ein Open-Air-Event der Extraklasse.

Eine ganz andere Art des Winterfinales begeht übrigens das Goldgräberdorf Rauris vom 25. bis 29. März 2020. Mit den Literaturtagen.