Handgefertigte Skier sind etwas Besonderes

von Alexandra Otto 24/03/2020
Ausrüstung
Handgefertigte Skier sind etwas Besonderes

RUND DREI MILLIONEN Paar Ski werden weltweit im Jahr verkauft, davon die Hälfte von österreichischen Herstellern. Produziert wird aber nur zum Teil hierzulande, weil die großen Skifirmen viel aus Kostengründen in Billigländer wie die Ukraine ausgelagert haben. Ebenso wie der Weltmarktabsatz in den vergangenen Jahren schrumpfte, ist auch die Zahl der Produzenten zurückgegangen. Im Gegenzug haben sich dafür eine Reihe von privaten Produzenten etabliert, für die der Skibau, Hobby und Leidenschaft aber zunehmend auch ein Geschäft ist. Während in den USA selbst gefertigte Holzski schon seit rund zehn Jahren in Mode – und mittlerweile stark präsent sind, ist das Ski-Selberfertigen in Österreich nach wie vor eine Minderheitenbeschäftigung. Eine die allerdings verstärkt nachgefragt wird – bei einer überschaubaren Zahl der Anbieter, wie Rupert Thurner, einem Tischler aus St. Johann im Pongau. Der bietet mit seinem Sohn Wochenend-Workshops an, bei denen man sich für 790 Euro beispielsweise seinen eigenen Zirbenholz-Tourenski zimmern kann. Wobei den verwendeten Hölzern bzw. dem Wunsch-Modell kaum Grenzen gesetzt sind. 

Natürlich kann es auch ein Rocker oder Racecarver sein – zum Beispiel aus Esche. Dieses Holz war übrigens seit jeher am besten zum Skibau geeignet, so Thurner, der vor allem natürliche regionale Materialien verwendet: Etwa 
Flachs, Hanf oder Hölzer wie Esche, Tanne, Birke statt sonst üblichen exotischen Hölzern, die zudem leichter sind. Die Oberfläche der handgefertigten Skier sind meist Furniere – durchaus auch exotische. „Palisander etwa, aber auch Wurzel oder die sehr schöne Zirbe. Das Material muss Leben haben“, sagt Thurner, dessen Kunden zwischen 17 und 70 plus alt sind. Auch Firmen sind darunter, die das Skibauen als Incentive sehen – andere wiederum bekommen eine Workshop-Teilnahme zum Geburtstag geschenkt. Drei bis sechs Teilnehmer hat ein Workshop im Schnitt; fünf oder sechs Termine gibt es im Jahr, bei denen dann zwischen 30 und 40 Paar Skier produziert werden. 

FÜR THURNER UND SEINEN SOHN, der mittlerweile fleißig mitarbeitet, ist der Skibau nach wie vor eher ein Hobby, das aus seiner Tischlertätigkeit gekommen ist. Ursprünglich waren die Vorläufer der modernen Skifirmen ja auch alle Tischlereien oder aus den Wagnereien. „Wie ich begonnen habe, habe ich gar nicht gewusst, dass es sicher noch zehn andere bei uns und in Berchtesgaden machen“, sagt Thurner: „Aber wir sind mit dem Versuch wieder zum reinen, regionalen Holzski zu kommen, sicher speziell.“ Thurners Werkstattkurse dauern zwei Tage, dann sind die Bretteln fertig – zumindest im Rohzustand: „Nachher werden die Laufflächen noch eingeschliffen, auch die Oberfläche wird von uns noch nachbearbeitet“, sagt der Seniorchef. Grundsätzlich werden alle Modellvarianten auf Basis einer Schablone, welche die Form vorgibt, angefertigt. Einzelelemente sind die Laufflächen und Kanten, dann werden Karbon, Titanal und Fiberglaseinlagen eingearbeitet. Tourenski sind ebenso wie Damenski dank Karbons leichter. Einen Vorteil haben Thurners Skier aber auf jeden Fall: Sie können regelmäßig zur Generalüberholung gebracht werden und schauen bzw. fahren sich nachher so wie neu – was Thurner beim Lokalaugenschein des Ski Guides nicht ohne Stolz am Model seiner Frau demonstrierte.

VON GROSSEN SKIFABRIKEN, die von Maschinen und automatisierten Abläufen dominiert werden, unterscheidet sich ein kleiner Betrieb, wie der von Thurner jedenfalls erheblich. Vieles erinnert an eine traditionelle Werkstätte, die einzelnen Arbeitsstationen liegen nahe aneinander – da liegen unterschiedliche Fiberglaseinlagen griffbereit, dort sieht man wie die Lauffläche mittels Kleber und Klammern aufgebracht werden. Und dazwischen stehen fertige Modelle oder solche, die gerade ein Komplettservice bekommen, in Ständern zur Ansicht. Was aber nicht heißen soll, dass hier nicht auch auf größtmögliche Genauigkeit und Millimeterarbeit Wert gelegt wird. „Wir bemühen uns schon sehr, so exakt wie möglich zu arbeiten, weil ja jede kleinste Abweichung eine enorme Auswirkung auf das Fahrverhalten des Skis hat“, sagt Thurner junior. Schließlich soll das Fahren mit dem eigenen handgefertigten Ski mindestens ebenso viel Spaß machen wie mit einem aus einem hochtechnisierten Produktionswerk. 

DIE INDUSTRIE sei übrigens sehr fair, sie gewähre im Internet alle Einsichten in ihre Bauweisen. Dennoch sind Ski aus dem Haus Thurner echte Unikate: „Wenn ich fünf Ski baue, dann ist jeder anders. Schon das Gewicht von links und rechts ist um ein paar Gramm unterschiedlich“, sagt der Senior, der gerne einen reinen Naturholzski inklusive Lauffläche wie früher bauen würde: „Ohne Lauffläche habe ich es schon umgesetzt und er hat besonders bei längeren Schwüngen sehr gut funktioniert. Das ist dann ein weniger aggressiver Ski, der leichter zu fahren ist“.