Atemholen in verschneiter Natur: Vom Schneeschuh-Wandern bis zum Eislaufen

von Alexandra Otto 09/01/2022
Winter in Österreich
Atemholen in verschneiter Natur: Vom Schneeschuh-Wandern bis zum Eislaufen

DER WINTER IN ÖSTERREICH findet nicht nur auf den Skipisten statt, sondern auch abseits davon: Damit sind aber nicht etwa Tourengehen oder Freeriden auf unverspurten Hängen im freien Gelände gemeint – sondern sportliche, naturnahe Aktivitäten, bei denen Sie die ruhige und gemütliche Seite des Winterurlaubs kennenlernen können. Die naheliegendste Art, verschneite Landschaften zu genießen, ist das Wandern – und das ist nicht nur auf die drei anderen Jahreszeiten beschränkt. Auch bei frostigen Temperaturen lässt es sich hervorragend durch Täler oder auch auf Berge gehen – insbesondere bei Neuschnee und Sonnenschein ist das ein echter Genuss. Weil ältere Semester vielleicht gar nicht mehr Skifahren oder zwischen den Tagen auf der Piste gern mal eine Pause einlegen, haben immer mehr Wintersportregionen ansprechende Winterwanderwegenetze angelegt. 

Egal, ob im Tal rund um die einzelnen Skiorte oder aber in Höhenlagen, häufig gibt es kilometerlange Wege, auf denen sich der Winter auch abseits der Pisten fern jeder Hektik erleben lässt. Am besten ist es, sich direkt im Ort im regionalen Tourismusbüro nach Wandermöglichkeiten zu erkundigen. Wobei ein guter Tipp hier nicht verschwiegen werden soll: In der Ramsau, am Fuße des Dachsteins, spannt sich ein 70 Kilometer langes Wegenetz, auf dem man Winterwandern so richtig zu schätzen lernt. 

SCHNEESCHUHWANDERN. Eine besondere Variante des Winterwanderns ist das Schneeschuhwandern, das in den vergangenen Jahren immer populärer geworden ist. Diese Art der Fortbewegung geht auf die amerikanischen Indianer zurück, wurde später von Trappern, Holzfällern und Goldsuchern übernommen und ist schließlich auch in Europa bekannt geworden. Aus einem alten Fortbewegungsmittel wurde so ein Trendsportgerät. Schneeschuhwandern ist etwas für naturbegeisterte Wanderer, junge Abenteurer, Familien, Hobbysportler und Gesundheitsfreaks. Wie kaum eine andere Sportart ermöglichen die modernen Schneeschuhe einem breiten Publikum den Zugang zu ruhigen und oft tief verschneiten Winterlandschaften. Schneeschuhwandern ist preisgünstig und gesund: Es stärkt Herz und Kreislauf, 
kurbelt die Energieverbrennung an, und der dämpfende Schnee schont die Gelenke. Obwohl dieser naturnahe Sport mit relativ einfachen Mitteln und nahezu ohne sporttechnisches Können durchgeführt werden kann, empfiehlt es sich für Anfänger, den Einstieg über geführte Schneeschuhwanderungen zu versuchen. Zum Beispiel in Begleitung des Pistenbutlers auf der Turracher Höhe – obendrein als kostenloses Service für die Gäste, die in einem der 19 Butler-Beherbergungsbetriebe nächtigen. Möglichkeiten zum Schneeschuhwandern gibt es in der österreichischen Landschaft mit ihren sanften Hügeln, weiten Karen und zahllosen Berggipfeln genug – sogar fallweise in der Nacht mit Fackeln wie z.B. im Montafon oder am Kärntner Dobratsch. In der Praxis ist es überall möglich, wo Schnee ab einer Höhe von rund 15 Zentimetern liegt. Zum wirklichen Erlebnis wird es aber erst in unberührter Natur und bei höherer Schneelage.  Dabei sollte auch hier die Lawinengefahr im alpinen Gelände nicht unterschätzt werden – diese gilt für Schneeschuhwanderer ebenso wie für Skifahrer oder Snowboarder. Eindrucksvolle Schneeschuh-Trails gibt es etwa im Talschluss von Rauris in Salzburg vor majestätischem Dreitausender-Panorama oder auf sanften Gipfelwegen in der verschneiten Landschaft rund um Ischgl in Tirol. Nach rund 15 Jahren Dornröschenschlaf bietet der Ronachkopf in Thumersbach (Region Zell am See) neue Routen für Skitourengeher und Schneeschuhwanderer an. Im Nationalpark Kalkalpen Ennstal geht es jedes Wochenende mit ausgebildeten Nationalpark-Betreuern durch die winterliche  Bergwelt. Ebenso im Kärntner Nationalpark Hohe Tauern, wo erfahrene Ranger mit ihren Gästen auf „Big 5“-Tours  unterwegs sind – und bei der es Steinbock, Bartgeier, Steinadler, Schneehuhn und Gams zu sehen gibt. Geführte Touren gibt es auch weiter im Osten im Semmeringgebiet auf den Sonnwendstein oder aufs Stuhleck, und auch auf der Rax kann nach der Auffahrt mit der Rax-Seilbahn in relativ leichtem, aber alpinem Gelände – auch mit Leihschneeschuhen – durch die Winterlandschaft gestapft werden.

EIN GEHEIMTIPP ist das Lobmingtal bzw. Kleinlobming in der Murtalregion, wo es die erste österreichische Schneeschuhschulzone gibt. Dort kann man sich Schneeschuhe ausborgen, Wanderungen unternehmen und bekommt die entsprechenden Infos dazu. Es gibt spezielle Workshops und Einschulungen, auch zu Thema Lawinengefahr oder Verhalten in Notfällen. Von Jänner bis März finden geführte Schneeschuhwanderungen statt – im Jänner 2021 wurden die innerhalb von zehn Tagen geplanten rund 30 Veranstaltungen in der Region Murtal, bei der auch in Jurten übernachtet werden kann, jedoch wegen Corona abgesagt. Auch für diesen Winter war zu Redaktionsschluss kein Termin bekannt.

RODELN. Ein echter Evergreen des Winters in Österreich ist das Rodeln – und das heute längst nicht nur tagsüber:Auf vielen Rodelbahnen sind Flutlichtanlagen in Betrieb, die das Vergnügen bis in die Nacht hinein möglich machen. Etwa auf dem Hirschenkogel am Semmering, wo die europaweit stärkste Lichtanlage die drei Kilometer Länge ausleuchtet. Am Wildkogel in Salzburg findet sich sogar die „wahrscheinlich längste beleuchtete Rodelbahn der Welt“, mit einer Strecke von 14 Kilometern. Wahre Naturfreunde machen es aber dennoch lieber so wie anno dazumal, als beleuchtete Rodelbahnen noch kein Thema waren – die Romantik aber umso größer. Man steckt sich eine Taschenlampe ein, nimmt einen Schlitten und spaziert damit langsam und gemütlich über verschneite Wege den Berg hinauf. 

EISLAUFEN. Ein Klassiker ist auch das Eislaufen: Für alle die nach einem Tag auf den Pisten Entspannung oder 
einfach Abwechslung suchen, ist eine Runde auf einem der zahlreichen Eislaufplätze genau das Richtige. In ganz Österreich gibt es unzählige Möglichkeiten dazu – entweder auf Kunsteislaufbahnen, Eisringen, Natureislaufplätzen oder den vielen Teichen und Seen. Es geht nichts über den Genuss, über Spiegeleis zu flitzen und gleichzeitig das Geschehen im Wasser unterhalb zu beobachten. Alles, was dazu nötig ist, sind ein paar Schlittschuhe und schon kann es losgehen. Das wohl beeindruckendste Eislauferlebnis in Österreich gibt es auf dem Kärntner Weissensee – auf bis zu 25 Kilometer perfekt hergerichteten Natureislaufbahnen. Der 6,5 Quadratkilometer große See ist die größte beständig zufrierende Natureisfläche Europas. Von Mitte Dezember bis Anfang März tummeln sich dann auf der bis zu 40 Zentimeter dicken Eisdecke nicht nur Eissportler, man begegnet auch Pferdeschlitten oder Winterwanderer, die die einzigartige Kulisse genießen. Am Weissensee gibt es zudem die einzige Eislaufakademie auf Natureis. Der Weissensee ist auch Austragungsort der alternative Elf-Städte-Tour, an der jedes Jahr rund 5.000 Niederländer  teilnehmen – nach einer Coronabedingten Pause im Vorjahr heuer wieder. Und als Ergänzung gibt es hier auch Touren mit wintertauglichen Fat-Bikes.

IGLU BAUEN, HUNDE- UND PFERDESCHLITTEN. Neben den bisher genannten Skifahr-Alternativen haben sich weitere Wintervergnügen etabliert, die das bestehende Angebot um reizvolle Möglichkeiten ergänzen: So garantiert etwa das, was für die Menschen aus dem hohen Norden früher überlebensnotwendig war – der Bau von Iglus – den Wintergästen heute einen Hauch von Abenteuer. Bei Seminaren in Ebensee kann unter fachkundiger Anleitung nach überlieferter Inuit-Tradition ein Schneehaus errichtet werden – ein echtes Erlebnis. Auch für Hundeschlittenfahrten gibt es mittlerweile Workshops: Dabei erfährt man Wissenswertes über Haltung und Wesen von Huskys, worauf es beim Lenken des Schlittens ankommt und auf welche Kommandos ein Schlittenhund hört. Im Vorarlberger Brandnertal bietet Husky-Toni sogar einen Schlittenhundeführerschein für Kinder ab acht Jahren an. Auch auf der Turracher Höhe werden Husky-Workshops angeboten – inklusive Ausfahrt über einen drei  Kilometer langen Rundkurs. Noch öfter als temperamentvolle Hunde werden andere Vierbeiner eingespannt, um ein besonderes Vergnügen zu bieten: In von 
Pferden gezogenen Schlitten gemächlich durch die stille Winterlandschaft zu gleiten, nachdem man sich fest in die warme Wolldecke und natürlich auch aneinander gekuschelt hat, ist ein Tipp nicht nur für Verliebte, der in vielen Wintersportorten angeboten wird. Für kleine Pferdefreunde und -freundinnen ab zehn Jahren bietet das Familienhotel Beck in Brand etwa eine Kombination aus Reitstunde oder Ausritt plus Ski- bzw. Snowboard-Unterricht samt Skipass an. Wer es ebenfalls bequem aber technischer mag, kann in Serfaus-Fiss-Ladis geführte Segway-Trekking-Touren im Gelände unternehmen – und auf einem 6.000 m² großen Hindernis-Parcours den Umgang damit üben. Neuerdings  sehr beliebt sind auch Fahrten mit Motorschlitten oder mit dem Pisten-Bully. Etwa in Saalbach-Hinterglemm, wo Sie in einer eigenen Snowmobil-City selbst Skidoo und Pistenraupe fahren oder mitfahren können. Auch in Kitzbühel kann man mit dem Motorschlitten seine Runden über einen eigens präparierten Parcours ziehen – ebenso wie auf der Turracher Höhe, wo zweistündige geführte Touren durch die verschneite Natur angeboten werden. In Zell am See / Kaprun oder Schladming wiederum ist es möglich, an Bord einer elf Tonnen schweren und 500 PS starken Pistenraupe mitzufahren. 

ADRENALINKICK MIT ACTION-SPORT. Adrenalin verspricht auch die Fahrt mit dem Flying Fox XXL in Saalbach oder eine spektakuläre bis zu 84 km/h schnelle und zwei Kilometer lange Talabfahrt mit dem neuen Ischgl Skyfly. Aktionsreich ist auch die Ausbildung, die Hubert Neuper in seiner Skisprungschule anbietet: Dort kann man sich nach 
den Methoden des ehemaligen Skiflug-Meisters die richtige Technik aneignen. Anfahrtshocke, Absprung und Telemarklandung stehen auf dem Lehrplan. Kaum weniger aufregend, geht es im Tiroler Tannheimer Tal zu, wo ab Mitte Dezember ein wettersicherer Eisturm zum Klettern bereitsteht. Für professionelle Tipps und Tricks steht ein Bergführer zur Seite, der bei Bedarf auch als Seilpartner einspringt – Ausrüstung kann vor Ort ausgeliehen werden. Für alle Extremisten, die sich ihren Kick in steilen Eiswänden holen wollen, gibt es österreichweit reichlich Gelegenheit dazu: Der Eisklettergarten Lech am Arlberg ist ein optimales Gelände für Anfänger und guter Übungsplatz für fortgeschrittene Iceclimber. Für ambitionierte Eisfallfreaks werden Eistouren auf einem der vielen gefrorenen Wasserfälle in der Umgebung organisiert. Im Klostertal können Eiskletterer am Fallbach und im Brandnertal auf gefrorenen Wasserfällen klettern. In der Eisarena am Pitztaler Gletscher in 2.800 Meter Höhe kann ebenso in eisigen Wänden geklettert werden wie im Ötztal, im Kaunertal, in Finkenberg im Zillertal oder im Pustertal in Osttirol. In Salzburg bieten sich in Uttendorf-Weißsee sehr gute Voraussetzungen, um das Eisklettern unter kontrollierten Bedingungen auszuprobieren und in der Steiermark ist das in der Alpinschule NoLimit in Bruck an der Mur möglich.Und „last but not least“ kann in Kärnten im Maltatal und im Eisklettergarten Heiligenblut diesem Actionsport gefrönt werden.

FREI WIE EIN VOGEL. Stark im Kommen ist seit einigen Jahren auch das Snowkiten: Auf Snowboard oder Ski lassen sich die Snowkiter von einem großen Lenkdrachen – dem Kite – mithilfe der Windkraft über verschneite Wiesen ziehen; und zwar aufwärts und abwärts. Snowkiten ist vor allem für jene Wintersportler interessant, die auf Schnee und Wind 
stehen, nicht jedoch aufs Anstellen am Lift und auf Einschränkungen im Gelände. Über verschneite Wiesen gleiten und lange Tiefschneehänge durchqueren – beim Snowkiten verschmelzen gewissermaßen Himmel und Erde. Sprünge bis zu 200 Meter Weite und 20 Meter Höhe jagen das Adrenalin durch den Körper. Gegenüber der Variante zu Wasser hat das Snowkiten einige Vorteile: Kiten auf Schnee ist leichter als auf der Wasseroberfläche, da die geringere Reibung schon bei schwachem Wind ein schnelles Tempo ermöglicht. Unbequeme Wasserstarts fallen weg, und schon ein leichtes Lüfterl reicht, um den Kiter in Bewegung zu setzen. In Bergnähe hebt allein schon das Absinken der kalten Luftmassen den Drachen in die Höhe. Anfänger sollten ihre ersten Erfahrungen jedenfalls in einer Kiteschule sammeln, denn ganz ungefährlich ist dieser Actionsport nicht. Eine empfehlenswerte Adresse dafür ist die Snowkiteschule Austria in Thalgau bei Mondesee, die jährlich den Snow-Skite-Worldcup ausrichtet. Von diesen Pionieren des Snowkitens kann man von Mitte Dezember bis Mitte März beim Unterricht in Theorie, Sicherheit, Kitehandling und Schneetraining das Surfen auf Schnee lernen. 

BALLONFAHREN. Im Hochwinter richten sich in der Region Kaiserwinkl – Kössen die Blicke nach oben: Bis zu 50 Heißluftballone zieren da den Winterhimmel. Die bunten Punkte am Himmel sind eine absolute Attraktion. Um so größer wird sie, fährt man selbst mit. Wer „mitfliegt“ sagt, dem kommt der Fauxpas teuer zu stehen. Bei der täglichen Morgeninformation für die Piloten gesellt man sich als Passagier dazu, denn während der Ballonwoche sind Plätze ab 
260 Euro zu ergattern. „Wir wollen den Gästen ein optimales Ballonerlebnis bieten, deshalb starten wir nur bei klarem Wetter“, sagt Helmut Winkler, der als Eigentümer von Tyrol Ballooning das „Kaiserwinkl“-Gefährt steuert. Für besondere Gäste macht er schon mal eine Ausnahme und lädt bei nebeligem Wetter zu einer kurzen „Hüpferei“, bei der er einmal zum Gaudium der Passagiere kurz am Walchsee-Eis aufsetzt. Passagierfahrten mit Winkler sind auch das restliche Jahr möglich, wobei kaltes, klares Winterwetter ideal ist. Für den Ballon, selbst sollte man sich entsprechend warm einpacken. Partytime bietet während der Ballonwoche das Night Glowing, bei der einige Ballone leuchtstark aufgeheizt werden: Heiße Luft im Rhythmus heißer Musik, als ein Topevent in der sonst eher beschaulichen Region.